Achtung: Bei den hier angegebenen Wanderzeiten handelt es sich nicht um die vom jeweiligen Kanton angegebenen Zeiten, sondern um unsere eigenen Laufzeiten inkl. Pausen und Zeit auf dem Kickboard (also einfach die Zeit, wie lange wir am jeweiligen Tag unterwegs waren). Zudem unterscheiden sich die Angaben der Strecken- und Höhenmeter je nachdem, ob man auf der offiziellen Internetseite des Bundes oder aber im offiziellen Wanderführer schaut (Taschenbuch von Wanderland Schweiz: Via Alpina). Ich habe mich bei meinen Angaben am Wanderführer orientiert.

Tag 1: Sargans – Weisstannen, 13 km, +940Hm/-440Hm, 4h

Mit dem Kickboard fuhren wir von Sargans Bhf nach Mels Dorf, und stiegen dort auf einem abwechslungsreichen Wanderweg ins schöne und einsame Weisstannental ein. Nach kurzer Zeit fing es an zu regnen und hörte, solange wir an diesem Tag unterwegs waren, auch nicht mehr auf. Dafür begegneten wir Rehen, Eichhörnchen und einem Alpensalamander. Im Hotel Gemse, wo es hervorragende Cordon-Bleus gibt, hatten wir bereits im Voraus ein Zimmer reserviert. Die Seez (der Fluss im Weisstannental) hatte am Abend schon viel Hochwasser und der anhaltende starke Dauerregen machte uns grosse Sorgen. Hier im Hotel trafen wir drei Kanadier beziehungsweise Australier, welche wir im weiteren Verlauf unserer Tour noch einige Male treffen sollten, da diese ebenfalls einem Abschnitt der Via Alpina folgten.

Tag 2: Weisstannen – Elm (mit Zug und Bus)

Der Regen hatte bis zum Morgen nicht aufgehört, und nach kurzem Abwägen, ob der Foopass bei diesem Wetter begehbar ist, haben wir uns dafür entscheiden, mit den ÖV nach Elm zu reisen, anstatt über den Pass zu wandern. Der Hotelwirt hat uns denn auch beim Frühstück dringend von der Begehung des Passes abgeraten mit Hinweis auf Lebensgefahr. Alle Bäche und Flüsse haben über Nacht grosse Felsbrocken in Richtung des Tals transportiert, und in der Nacht hörte man stets das Poltern im nahe gelegenen Fluss. Deshalb fuhren wir mit dem Postauto zurück nach Sargans, wobei wir die bereits überschwemmten Strassen im Tal noch knapp passieren konnten. Im Pizol-Einkaufszentrum entsorgte ich noch meine alte, bereits durchlässige Regenjacke und kaufte eine Neue. Nach der Fahrt nach Elm erkundeten wir mit dem Kickboard das Dorf und gönnten uns einen noch gar nicht so richtig verdienten sauren Most.

Tag 3: Geplant Elm – Linthal (gelaufen von Elm / Empächli bis unterhalb Passhöhe Richetlipass und dann zurück nach Elm), ca. 15km, ca. +900Hm/-1200Hm, 4,5h

Auch für diesen Tag war Dauerregen angesagt. Dennoch nahmen wir uns vor, den Aufstieg zum Richetlipass, welcher uns ins benachbarte Linthal führen sollte, zumindest zu versuchen. Mit der Gondel fuhren wir von Elm auf die Alp Empächli und wanderten im Regen, aber dennoch guter Dinge auf einem wunderschönen Wanderweg zur Skihütte Erbs (ca. 1700m.ü.M.). Dabei konnten wir einige Murmeltiere beobachten. Ab der Skihütte liefen wir im Neuschnee (wohlgemerkt am 2. September). Der Weg wurde immer beschwerlicher und rutschiger, und ungefähr eine Gehstunde vor der Passhöhe entschieden wir uns schliesslich, abzubrechen und nach Elm zurückzukehren, zumal die Sicht immer schlechter wurde und uns ein Weg durch eine steile Bergflanke bevorstand. Kurz vor Elm wurden wir noch – klitschnass wie wir waren – von einem netten Älpler mit dem Auto mitgenommen. Mit den ÖV fuhren wir darauf nach Linthal und quartierten uns im verstaubten und in die Jahre gekommenen Hotel Bahnhof ein – machte nichts, ein Dach über dem Kopf, eine warme Dusche und ein gutes Abendessen war alles, was wir in jenem Augenblick benötigten. In was für einem Etablissement wir hier abgestiegen waren, merkten wir unter anderem, als die uralte, hinter der Rezeption rauchende «Bahnhofsmutter» uns fragte, ob wir das von uns gewünschte Zimmer nur für den Nachmittag benötigen würden oder aber bis zum nächsten Morgen!

Tag 4: Linthal – Urnerboden, 15km, +1189Hm/-465Hm, 6h

Bei sonnigem und teilweise bewölktem Wetter stiegen wir am nächsten Morgen von Linthal 600 Höhenmeter steil einen märchenhaften feuchten Wald (mit Namen «Schleimenwald») hinauf bis auf die Höhe von Braunwald. Unterwegs trafen wir auf eine Gemse, welche uns ein Stück weit begleitete, auf Eichhörnchen und auf eine Kröte.

Wanderweg in Richtung Urnerboden

Auf der Terrasse der Alpbeiz «Nussbühl» gönnten wir uns zur Feier unseres bereits am morgen früh bewältigten anstrengenden Aufstiegs zwei Möhl und konnten nach drei verregneten Tagen zum erstem Mal endlich die Sonne geniessen – und dies vor dem verschneiten Bergpanorama der Glarner-Alpen! Nach einer eindrücklichen Wanderung und einer kurzen Kickboardfahrt der Strasse entlang gelangten wir auf die Hochebene Urnerboden, der gemäss Internet grössten (13km langen) Alp der Schweiz, welche in den Sommermonaten 1200 Kühe beherbergen soll. In der einzigen offenen Beiz gelangten wir gegen Abend mitten in eine «Stubete», eine Art kleines Fest in einem Restaurant, bei welchem traditionelle Volksmusik gespielt und dazu getanzt wird.

Alpbeizli Nussbühl

Tag 5: Urnerboden – Altdorf, 25,5 km, +1090Hm/-1930Hm, 10h

Am Morgen früh nahmen wir einen raschen und kühlen Aufstieg zum Klausenpass in Angriff, wo wir bereits um 10.30 Uhr zu Mittag assen. Über schöne Alpweiden stiegen wir zum Ausgangspunkt des Schächentaler Höhewegs ab und genossen eine grandiose Aussicht auf die umliegenden Gipfel. Auch heute konnten wir zahlreiche Tiere beobachten, wie Murmeltiere, einen Grünspecht und einen Adler, welcher sich hoch über unseren Köpfen vom Höheweg in Richtung Windgällen in die Höhe schraubte. Nach einem Zwischenstopp im Posthaus Urigen und einer Glacé stiegen wir nach Spirigen ab, wo wir auf das Kickboard steigen und die letzten 9km nach Bürglen bei Altdorf der Passstrasse entlangfahren konnten. Bürglen hat einen sehenswerten Dorfkern mit vielen alten Wilhelm-Tell-Gebäuden und einem nach unserem Volksheld benannten Wanderweg. Mit dem Bus fuhren wir schliesslich nach Flüelen und übernachteten im schönen Hotel Sternen am Urnersee, wo wir ein hervorragendes Abendessen mit zuvorkommender Bedienung genossen.

Tag 6: Altdorf – Engelberg, 28,5 km, +2080Hm/-1595Hm, 7h 45min

Kurze Beschreibung dieses Tages: Der perfekte Wandertag. Wetter grandios, Route eines der Highlights dieser Tour, viele Tiere gesehen etc. Nach einer kurzen Fahrt in der Selbstbedienungsgondel (!) in Attinghausen fuhren wir mit der offiziellen Seilbahn nach Brüsti, womit wir ungefähr 1000 der insgesamt zu bewältigenden Höhenmeter nach oben einsparten. Auf dem Grat Richtung Surenenpass kamen uns Jäger mit einem erlegten Steinbock auf den Schultern entgegen, welcher ihren Aussagen zufolge ungefähr 40 bis 50kg schwer war. Nach einem herrlichen Aufstieg mit immer schönerer Aussicht durch Gröllhalden, welche mit den buntesten Blumen bestückt waren, erreichten wir schliesslich die Passhöhe, wo uns erneut schwer keuchend zwei Jäger mit einem Steinbock auf den Schultern begegneten. Vorbei an gefühlt 100 Murmeltieren steigen wir lange über die Blackenalp in Richtung Engelberg ab, wo wir im schönen Hotel Hahnenblick übernachteten.

Blick beim Aufstieg zum Surenenpass auf den Urnersee
Surenenpass

Tag 8: Engstlenalp – Hasliberg, 18km, +890Hm/-1650Hm, 6h

Bei dichtem Nebel gingen wir los über schöne Wege zur Tannalp, am Tannsee entlang und erwischten prompt die falsche Richtung. Der Wegweiser hatte sich wohl im Wind gedreht und zeigte somit den falschen Weg an. Nachdem wir entlang eines schmalen Pfades über eine immer steiler werdende Kuhweide in einen steil abfallendem Hang hineingelangt waren, bemerkten wir unseren Irrtum und mussten umkehren. Kurz bevor wir den uns in die Irre geführten Wegweiser wieder erreichten, klärten wir zwei andere Wanderer, welche ebenfalls den falschen Weg erwischt hatten, über die verkehrt angezeigte Richtung auf. Nach Planplatten begegneten wir dann grossen Wandergruppen, die wie wir auf das Aufreissen der dichten Wolkendecke und etwas sonnigeres Wetter hofften.

Der mystische Tannsee

Das letzte Wegstück nach Hasliberg Reuti bestand aus einem mühsamen steilen Schotterweg, welcher meinen ohnehin bereits angeschlagenen Knien grosse Mühe bereitete. In Reuti beschlossen wir spontan, im Gruppenhaus «C’est la vie» zu übernachten und erhielten ein Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbad (das wir aber für uns alleine hatten); etwas abseits von den grossen Schlafsäälen, in welchen die unzähligen Gruppen Jugendlichen, welche sich hier in einem Ferienlager befanden, untergebracht waren. Im Gruppenhaus herrschte eine familiäre und gemütliche Stimmung, und diese günstige und dennoch komfortable Übernachtung wird uns in guter Erinnerung bleiben.

Tag 9: Hasliberg – Grindelwald, 26 km, +1530Hm/-1564Hm, 9h

 

Auf diesem Abschnitt wurden wir von meinem Vater begleitet. Nach der Gondelfahrt von Hasliberg Reuti nach Meiringen stiegen wir vorbei am Reichenbachfall ins gleich benannte Tal ein. Der Wanderweg kreuzte einige Male die Strasse. Auf der Schwarzwaldalp liefen wir entlang einem schönen Waldweg und an einem breiten Flussbett vorbei direkt vor der Wand des beeindruckenden Wellhorns.

Nach einem Imbiss im Restaurant auf der grossen Scheidegg führte uns der Weg hinunter nach Grindelwald, wobei dieser an sich nichts Besonderes zu bieten hatte. Dies wurde jedoch von der grandiosen Aussicht auf das Wetterhorn und den oberen Grindelwaldgletscher wieder wettgemacht.

In Grindelwald angekommen, hatten wir Mühe, ein Zimmer zum Übernachten zu finden, da tags darauf der Jungfraumarathon stattfand – was wir natürlich nicht gewusst beziehungsweise nicht mehr daran gedacht hatten. Nach ungefähr sieben vergeblichen Anfragen in verschiedenen Hotels fanden wir endlich in einem Viersterne-Hotel ein überaus teures Doppelzimmer für CHF 350.-, was mit Abstand die teuerste Übernachtung unserer Tour war. Am Abend verabredeten wir uns noch mit meinen Schwiegereltern zum Pizza essen, welche uns hierfür extra in Grindelwald besuchten.

Wellhorn

Tag 10: Grindelwald First – Schynige Platte, 16 km, +773Hm/-967Hm, 8h 15min

Anstatt über die kleine Scheidegg zu laufen, wo der Zieleinlauf des Jungfrau-Marathons stattfand, entschieden wir uns für eine Alternativ-Wanderung. Mit der Gondel fuhren wir auf die First und wanderten im dichtesten Nebel aufs Faulhorn. Heute hatten wir als Gastwanderer meine Schwester und ihren Sohn dabei. Nach einem ausgiebigen Mittagessen ging es weiter zur Männdlenenhütte; unterwegs konnten wir eine grosse Gruppe Schneehühner beobachten, welche wie kleine Fabelwesen unvermittelt in den uns umgebenden weiss-grauen Schleiern auftauchten und ebenso wieder verschwanden.

Teilweise konnte man im Nebel den Verlauf des Weges nur noch knapp erkennen

Nach einem wärmenden Kaffee in der Hütte setzten wir unsere Wanderung fort, und bald darauf zog ein Schneesturm auf. Innert Kürze waren wir nass bis auf die Haut, und es wehte eine eisige Bise. Zudem plagte uns stets die Sorge, die letzte Bahn von der Schynigen Platte hinunter nach Wilderswil zu verpassen – angesichts unserer Verfassung eine eher unkomfortable Vorstellung. Dies war wohl einer der härtesten Momente unserer zweieinhalbwöchigen Tour.

Glücklicherweise erwischten wir die letzte Bahn und ich und mein Mann fuhren – während wir uns ein wohlverdientes Feierabendbier genehmigten – nach Mürren ins sehr empfehlenswerte familiäre Hotel Blumental, wo wir am nächsten Morgen eine zweite Übernachtung buchten und uns einen Tag lang ausruhten. Angesichts des immer noch schlechten Wetters und der schon lange nicht mehr gewaschenen Kleider war dieser Pausentag eine reine Wohltat, und wir konnten wieder neue Energie für unsere weitere Reise tanken, indem wir den Tag grösstenteils mit Schlafen und Essen verbrachten.

Tag 11: Ruhetag in Mürren

Tag 12: Mürren – Griesalp, 15km, +1350Hm/-1495Hm, 7h

Adler bei der Spielbodenalp

Obwohl die Wettervorhersage für den heutigen Tag nicht sehr erbaulich gewesen war, stiegen wir am Morgen unseres elften Wandertags (und zwölften Tags der Tour) bei herrlichem Sonnenschein über die schöne Spielbodenalp steil zur Rotstockhütte auf. Kurz vor der Hütte konnten wir ziemlich nahe einen über uns kreisenden Adler beobachten.

Nach einem wohltuenden Süssmost in der Hütte gings dann am Schilthorn vorbei hinauf bis zum letzten Aufstieg durch eine Schiefer- Geröllhalde zur Sefinenfurgge, unserem heute zu überschreitenden Pass. Oben war es zu windig zum Rasten und der Himmel war zwischenzeitlich wieder mit Wolken bedeckt. Also assen wir ein Stück unterhalb der Passhöhe und steigen dann ziemlich rasch über zwei Alpen ab zur schönen Griesalp, wo wir im Griesalp-Hotel nächtigten. Während wir vor dem Restaurant etwas tranken, half mein Mann der Service-Angestellten, eine ziemlich freche und störrische Ziege einzufangen, welche sich an der Blumenrabatte auf dem Vorplatz des Hotels gütlich tat und sich von diesem Vorhaben auch nicht abbringen lassen wollte. Nach energischem Einschreiten meines Mannes, welcher das bockende Tier trotz vehementen Widerstands kurzerhand an den Hörnern packte, war die Ziege dann wenige Augenblicke später wieder in ihrem Gehege, und die dankbare Angestellte servierte uns nach dem Abendessen für diese Unterstützung einen Gratis-Kaffee.

Aufstieg zur Sefinenfurgge

Tag 13: Griesalp – Kandersteg, 15.6 km, +1545Hm/-1765Hm, 8h 30min

Nach einem abwechslungsreichen Aufstieg auf die Bundalp ging der Weg fast 1000Hm steil über Alpweiden, Schuttmoränen und dann durch felsiges Gebiet hoch zur letzten Treppe vor dem Hohtürli. Längst hatte zuerst Regen und dann Schneefall eingesetzt, der Weg wurde zunehmend verschneit und die Gegend hochalpin. Auch heute hatten wir Wander-Besuch von meinem Vater.

Blüemlisalpgletscher

Bald erreichten wir die Blüemlisalphütte, welche menschenleer und ungeheizt war. Nach einer Rösti mit Wurst machten wir uns bei winterlichen Verhältnissen an den Abstieg. Nach einigen hundert Metern riss auf einmal die Wolkendecke auf und wir konnten einen fantastischen Blick auf die Blüemlisalp und die Wilde Frau geniessen. Nach dem Abschnitt auf einer Moräne verdunkelte sich der Himmel wieder und wir liefen erneut – heute bereits zum zweiten Mal – im Regen. Über den Öschinensee gelangten wir schliesslich nach Kandersteg.

Tag 14: Kandersteg – Adelboden, 16,4 km, +1430Hm/-1260Hm, 6h

Nachdem wir am Morgen noch trockenen Fusses beziehungweise Rades das Tal entlang gingen und fuhren, fing es auch heute wieder an zu regnen. Beim steilen und relativ langen Aufstieg zur Alpschele über Felshänge machten sich nun die in den letzten beiden Tagen bezwungenen Höhenmeter in den Waden bemerkbar. Auf der Alp angekommen, waren die Älpler leider bereits am zusammenräumen, und so mussten wir mit einem etwas spärlichen, aber trotzdem wohlschmeckenden Mittagessen aus Reiswaffeln mit Käse Vorlieb nehmen. Nach einem kurzen, stürmischen Aufstieg auf die Passhöhe «Bunderchrinde» wurden wir nach der Übersteigung des Passes in einer riesigen Geröllhalde beinahe von vier grossen, ins Tal donnernden ca. 50cm grossen Schiefersteinen erschlagen – wir konnten dem Steinschlag nur durch die blitzschnelle Reaktion meines Mannes, welcher mir «Lauf» ins Ohr brüllte, und durch Rennen aus Leibeskräften, entrinnen. Ich für meinen Teil bin, nachdem ich weiter oben das typische klirrende Donnern von herabschnellenden Steinen wahrgenommen hatte, wie erstarrt stehen geblieben und habe versucht, die Position der Steine weiter oben auszumachen und deren Schusslinie abzuschätzen, was in dieser Situation aber ein verheerender Fehler gewesen wäre. Dies hat uns, nachdem wir schnellstmöglich aus dem Steinschlag-Gebiet gerannt sind, ein Blick zurück bestätigt. Die Steine sind genau an dieser Wegstelle durchgeschossen, wo wir uns wenige Augenblicke vorher noch aufgehalten hatten. Was für ein Schock, und nachdem wir aus der Geröllhalde hinausgelaufen sind, mussten wir uns erstmal für einige Augenblicke hinsetzen und die Situation rekapitulieren. Dennoch – es ist alles gut gegangen und wir kamen heil ins Tal und zu unserem bereits vorher reservierten Hotel.

Tag 15: Adelboden – Lenk (teilweiser Aufstieg zum Hahnenmoospass, dann zurück und mit den ÖV in die Lenk), ca. 2,5h

Heute war ein wirklich besch…. Tag. Von Beginn an liefen wir in starkem Dauerregen, der Weg zum Hahnenmoospass war mässig schön (meist den Seilbahnen entlang) und die Luft war von den gestrigen anstrengenden Tagen definitiv draussen. Entsprechend war die Stimmung beim Wandern, und nach einigen Kilometern, nachdem wir bis auf die Haut durchnässt und durchgefroren waren, entschlossen wir uns, den Pass Pass sein zu lassen, nach Adelboden zurückzukehren und wiederum mit dem Zug in die Lenk zu fahren. So macht wandern keinen Spass…

Tag 16: Lenk – L’Etivaz über Gstaad (Doppel-Etappe), 37km, +2390Hm/-2315Hm, 9h 45min

An diesem Tag beschlossen wir, eine Doppel-Etappe einzulegen. Erstens waren wir angesichts der bald endenden Ferien froh, noch einen Tag mehr zuhause verbringen zu können, und zweites hatten wir angesichts der gestrigen sehr kurzen Wanderung wieder so viel Energie aufladen können, dass wir uns einen solchen Marathon ohne weiteres zutrauten. An diesem anfangs noch sonnigen Tag legten wir mit ziemlich schnellem Tempo los durch die schöne Wallbachschlucht über Walleg immer weiter hinauf, bis das Gebiet langsam steinig wurde (Kalkfelsen) und wir in locker verschneiten Umgebung den ersten Pass, den Trütlisbergpass, erreichten.

Kurz vor dem Trütlisbergpass

Wegen des eisigen Windes stiegen wir rasch ins wilde und wunderschöne Turbachtal ab, genossen im Wintermatte-Beizli einen sauren Most und fuhren dann etliche Kilometer mit dem Kickboard aus dem Tal nach Gstaad. Einmal mehr waren wir insbesondere angesichts der uns noch bevorstehenden Kilometer sehr froh um unsere leichtgewichtigen zweirädrigen Gefährte, welche uns das mühselige «auf einer Teerstrasse aus einem Tal hinauswandern» ersparten. Nachdem wir die Gstaader Ebene durchquert hatten, ging es wieder steil hinauf über die Bergstation Eggli auf einem wunderschönen Weg bis zum Wildboden. Mit Schrecken stellten wir fest, dass die Zeitangabe für den zweiten Teil unserer Tour von Gstaad nach L’Etivaz in unserem Wanderführer ungefähr 2 bis 3 Stunden zu kurz angegeben war – die Wegweiser wiesen ganz anderen Marschzeiten aus! Dennoch kamen wir, kurz nachdem wir den schönen, aber windigen Pass Col de Jable mit der schönen Natursteinmauer (welche übrigens den «Röschtigraben» darstellt) überschritten hatten, um ungefähr 19 Uhr im Gasthof «Chamois» in L’Etivaz an. Der Abstieg hatte uns steil über Kuhweiden und Waldwege nach L’ Etivaz geführt. Das Hotel ist uralt und sehr urchig, aber stilvoll und gemütlich. Im Dorf selbst gibt es aber ausser dem Käse-Besucherzentrum nicht viel zu sehen, und wir verbrachten dort einen sehr ruhigen und gemütlichen Abend.

Tag 17: L`Etivaz – Rochers de Naye – Montreux, 22,8 km, +1810Hm/-995Hm, 7h

An unserem letzten Wandertag starteten wir unsere Tour in L’Etivaz bei ausgezeichnetem Wetter. Beim Hotel konnten wir aus nächster Nähe einen Alp-Abzug mit bunt geschmückten Kühen und traditionell gekleideten Älplern beobachten. Durch einen sumpfigen Wald ging es nach La Lecherette, wo wir aufs Kickboard umsteigen konnten und vorbei an einem riesigen Militärgelände hinunter zum wunderschön gelegenen Stausee Hongrin und bis auf dessen Staumauer fuhren. Rasant ging es darauf durch einen Felsentunnel hinunter zur Alp Vuichoude d’en Bar zu neugierigen Ziegen, wo wir picknickten. Dann folgte der ungefähr 2,5-stündige Aufstieg zum Rochers de Naye, welcher sehr abwechslungsreich war und durch ein schönes, bereits herbstlich gefärbtes Tal, über verschiedene Alpen und über einen spannenden Grat führte. Auf letzterem machte sich die gestrige Doppel-Etappe in den Beinen bemerkbar. Bevor wir den Grat erreicht hatten, mussten wir aber auf der Alp de Chaude nach dem Weg fragen – im Welschland sind die Wege bedeutend schlechter ausgeschildert als in der Deutschschweiz, und trotz mehrmaligem Blick auf die Karte fanden wir den Anstieg zum Grat nicht auf Anhieb. Oben angekommen, erhaschten wir einen kurzen Blick auf den Genfersee,  ansonsten blieb der Himmel aber ziemlich wolkenverhüllt, und es begann sogar ein wenig zu schneien.

Auf dem Rochers de Naye, ein touristisch erschlossener Ausflugsberg, fanden wir wegen eines dort durchgeführten Anlasses keine Übernachtungsmöglichkeit. Ursprünglich hatten wie geplant, auf dem Berg zu übernachten und am nächsten Morgen gemütlich nach Montreux abzusteigen und unsere Tour so ausklingen zu lassen. Da wir ziemlich müde waren, es bereits 17 Uhr war und nach Montreux hinunter noch -1600Hm zu bewältigen gewesen wären, fuhren wir mit der Bahn nach Montreux, wo wir aufgrund irgendeines Anlasses in der Stadt auf die Schnelle ebenfalls keine Bleibe fanden. Nach wenigen vergeblichen Anfragen hatten wir genug von der Suche nach einer Unterkunft, und der laute Verkehr und die aufgeregten Menschenmassen trugen ebenfalls dazu bei, dass wir uns dazu entschlossen, die Stadt hinter uns zu lassen und bereits an diesem Abend nach Hause zu fahren.


 

So ging eine wunderschöne, leider etwas verregnet und verschneite, aber sehr empfehlenswerte Tour durch die Schweiz zu Ende. Es war anstrengend, aber auch entschleunigend. Wir lernten Kantone und Ortschaften kennen, in welchen wir bisher nur selten oder noch nie gewesen waren. Die tägliche, sich immer wieder verändernde Aussicht auf die Schweizer Berge ist wie Farbfernsehen in HD, nur besser. Unsere Bergwelt lebt, und wir konnten an den meisten Wandertagen mehrere Wildtiere beobachten. Es ist einfach faszinierend, was es im eigenen Land alles zu entdecken gibt. Unser Fazit: Es muss nicht immer ein Urlaub mit einer weiten Anreise sein, um ein neues Abenteuer zu erleben!