Vobereitung und Planung

Wie habe ich mich auf diese Tour vorbereitet? Zuerst habe ich einige Reiseberichte von anderen Norwegen-Wanderern gelesen und mich über die mögliche Route informiert. Wo liegen die Infrastruktur-Punkte wie Einkaufsgelegenheiten und Unterkünfte? Welche Möglichkeiten gibt es hinsichtlich der Wegführung, das heisst, welche Routen-Abschnitte ergeben sich von alleine und wo bestehen Alternativen? Hierzu habe ich mir eine grosse Landkarte an die Wand geklebt und die wichtigsten Wegpunkte mit Stecknadeln abgesteckt. Zudem habe ich mir einen kleinen Plan geschrieben mit einem für mich vorstellbaren Routenverlauf, auf welchem allfällige Übernachtungsorte und mögliche Wegalternativen aufgelistet sind. Anschliessend habe ich mich um meine Ausrüstung gekümmert.

Zeit und Route

Norwegen hat die spezielle Form einer langgezogenen Banane mit einer Art grossem Knubbel im Süden, und der Fussweg hindurch vom südlichsten bis zum nördlichsten Punkt des Festlandes ist knapp 3’000 km lang. Eine solche Wegstrecke zurückzulegen erfordert natürlich Zeit – die Erfahrungen anderer Wanderer zeigen, dass man dafür, will man sich regelmässig einen Ruhetag gönnen und nicht im Schnellzug-Tempo unterwegs sein, ungefähr zwischen 4 und 5 Monaten benötigt. Ich habe mich deshalb entschieden, meine Arbeitsstelle zu künden, um so viel Zeit wie nötig dafür zu haben. Wenn ich wüsste, dass ich unbedingt zu einem bestimmten Zeitpunkt heimreisen muss, befände ich mich, so wie damals auf der Nordkalottruta, für welche ich genau 4 Wochen Zeit zur Verfügung hatte, irgendwie doch ein wenig unter Zeitdruck – und dies ist genau das, was ich während dieser Tour eben nicht haben möchte.

Der früheste Start-Zeitpunkt wird, sofern man ohne Winter-Ausrüstung wandern möchte, von den Jahreszeiten vorgegeben. Solange im Fjell noch viel Schnee liegt, macht es wenig Sinn oder ist sogar gefährlich, sich den Weg hindurch mit Wanderschuhen bahnen zu wollen. Viele Flüsse führen zudem noch Hochwasser und haben noch keine aufgebauten Sommerbrücken, was lange Umwege bis zu einer geeigneten Furt-Stelle erforderlich machen kann. Ebenso wird das Ende der Tour zeitlich vom eintreffenden Winter begrenzt, welcher in Nord-Skandinavien oft bereits Anfangs Oktober beginnt. Ein gewisse zeitliche Einschränkung liegt also auch ohne geplantes Rückreisedatum bereits vor. Ich werde demnach ungefähr Ende Mai starten und bis Anfangs oder Mitte Oktober unterwegs sein.

Die geplante Route führt mich vom südlichsten Punkt Norwegens, einem kleinen Ort mit Namen «Lindesnes», wo sich ein Leuchtturm und ein Campingplatz befinden, bis zum als nördlichster Punkt Norwegens deklarierten Nordkap. Eine offizielle ausgeschilderte oder vorgegebene Route existiert nicht. Die Tour ist jedoch, inbesondere unter Norwegern, bekannt, und wird jährlich von einigen absolviert, jeder auf seine Weise. Jedoch starten die meisten in Lindesnes und kommen am Nordkap ans Ziel (oder eben umgekehrt, wenn man von Norden nach Süden läuft). Unterwegs wählt man seine eigene Route, wobei es zahlreiche Streckenabschnitte gibt, welche alle auf ähnliche Weise bewältigen. Dies liegt unter anderem daran, dass Norwegen meist sehr schmal ist, und in bestimmten Breitengraden nur ein einziger Weg existiert. Hinzu kommen die auf dem Weg gelegenen Infrastrukturen wie Hütten und sonstigen Unterkünfte oder Einkaufsmöglichkeiten, welche teilweise spärlich vorhanden sind und somit von den meisten Norwegen-Wanderern angesteuert werden.

Ich werde mich grösstenteils auf den vom DNT (norwegischer Wanderverein) markierten Wanderwegen bewegen, welche entweder mit roten T’s oder roten Punkten gekennzeichnet sind. Durch einige der Nationalpärke, welche ich durchqueren werde, führt zudem kein Weg, ich werde also dort jeweils für einige Tage vollständig von Karte und Kompass abhängig sein. Schliesslich werden auch immer wieder einige Kilometer auf Landstrassen zu bewältigen sein, da (beispielsweise gleich für einige Tage zu Beginn der Tour im Süden) kein durchgehendes Wanderwegnetz vorhanden ist oder man, wollte man diesem folgen, anstatt stets in Richtung Norden sich kreuz und quer durchs Land bewegen würde. Einige wenige Weg-Abschnitte werden mich zudem jeweils für einige Tage durch Schweden und Finnland führen.

Navigieren werde ich mit der guten alten Landkarte und dem Kompass und nicht mit dem Handy oder einem GPS-Gerät – hinsichlich des Preises und Gewichts auf einer solch langen Tour etwas umständlich, aber ich LIEBE es, die Landschaft auf einer Papier-Karte zu studieren, am Abend den bereits gegangenen Weg zu rekapitulieren und die Route für den nächsten Tag festzulegen. Und nicht zuletzt: Eine Landkarte in Papierform kann weder einen leeren Akku haben (derjenige meines Handys wird durchs Fotografieren bereits ohnehin sehr beansprucht werden) noch aufgrund eines elektronischen Defizites kaputt gehen. Mit einer Papierkarte ist man also auf der sicheren Seite. Dies ist jedoch absolute Geschmacksache und es gibt natürlich auch genügend Argumente, welche für eine elektronische Navigation sprechen.

Hier findest du eine Karte, auf welcher ich laufend die wichtigsten Wegpunkte eintragen werde.

Ausrüstung

Meine Ausrüstung, welche grösstenteils bereits vorhanden war, habe ich angesichts der langen und bis in den Herbst andauernden Tour komplettiert, indem ich beispielsweise noch einige wärmere Kleidungsstücke wie Daunen-Booties und gute Handschuhe dazugekauft habe. Auch eine neue Wanderhose musste her, da ich meine Bisherige auf meiner letzten grösseren Tour zerrissen habe. Hierbei war von Vorteil, dass ich den grössten Teil der Ausrüstung bereits auf einer längeren Tour in Norwegen dabei hatte und genau wusste, was für mich in den dortigen Breitengraden funkioniert und was nicht. So konnte ich einige Gegenstände gezielt ersetzen.

Da ich ab dem Spätsommer gegen den Herbst und Winter zu, wenn die Temparaturen leicht unter Null sinken können, noch einige Dinge benötigen werde, und ich nicht alle meine (33!) Wanderkarten im Rucksack mittragen kann, werde ich mir an gewisse Unterkünfte, bei denen ich ohnehin vorbeikommen werde, Pakete schicken, welche bis zu meinem Eintreffen für mich aufbewahrt und mir dann ausgehändigt werden. Die Unterkünfte kennen dies bereits von anderen Wanderern und sind nach einer freundlichen Voranfrage meist gerne bereit, diesen Service zu übernehmen. Nebst wärmerer Ausrüstung und den Landkarten werde ich mir zudem neue Wanderschuhe schicken, da meine Jetzigen wohl nach ca. 1000km durchgelaufen sein werden und ich dann mit demselben Modell weiterwandern kann.

Verpflegung und Übernachtung

Ich werde grösstenteils im Zelt und in Wanderhütten übernachten. Wann immer ich die Möglichkeit habe, werde ich eine Unterkunft wie eine Pension, eine Camping-Hütte oder ein Hotel buchen. Dies sind dann die Gelegenheiten, Kleider zu waschen, zu duschen, die Elektronik aufzuladen, zu telefonieren und einzukaufen. Ich werde mich immer wieder für einige Tage (am längsten für ungefähr 10 Tage) fernab von der Zivilisation befinden und mein ganzes Essen mit mir tragen, welches ich auf meinem Kocher zubereite. Die Übernachtungen in Unterkünften sind somit meist Gelegenheiten, wieder einmal frisches Essen einzunehmen und neue Verpflegung zu besorgen. Ich werde dabei aufgrund des Gewichts möglichst leichte und getrocknete Dinge mitnehmen wie Teigwaren, Reis, Linsen, Trockengemüse, Nüsse, Dörrfrüchte, Haferflocken und natürlich – Schokolade! Das Wasser in Norwegen ist sehr sauber, ich muss deshalb nicht viel Wasser mit mir tragen und kann meine Flasche jeweils frisch an den Bächen und in Seen auffüllen.