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Tage 14 – 20 / Fulufjällets-Nationalpark (Björnholmstugan) – Grövelsjön

Die Fahrt von Sälen bis kurz vor der Björnholmstugan dauert 45 Minuten. Das Autothermometer zeigt eine Aussentemperatur von 8 Grad an, und es hat geregnet in der Nacht. Am Ende der Waldstrasse bei der Barriere zum Nationalpark angekommen, verabschiede ich mich von Lars und bedanke mich noch einmal sehr herzlich. Auch diesmal muss ich versprechen, mich bei erneuten Schwierigkeiten zu melden – diesmal wird dies wohl hoffentlich nicht mehr nötig sein! Ich versichere zudem, ab und zu eine SMS zu schicken und mitzuteilen, wo ich mich befinde. Dann laufe ich los und folge dem Weg bis zur Hütte, von wo ich dem zunehmend wilden Tangån, einem wunderschön geschwungenen Fluss, folge.

Immer weiter führt mich der Pfad in den Nationalpark hinein, zuerst noch kurz durch einen Wald und wenig später hinauf in Richtung Fjäll. Ich bin völlig in Gedanken versunken – es sind aber gute Gedanken, einerseits voller Dankbarkeit über die erlebte Hilfe und andererseits voller Vorfreude auf die kommenden Tage und Wochen. Jäh werde ich jedoch aufgeschreckt, als ich auf einen braunen vermeintlichen Stein stehen will und dieser sich plötzlich hüpfend fortbewegt. Fast wäre ich auf eine Erdkröte gestanden.

Je höher ich aufsteige, desto eisiger weht mir eine kalte Bise entgegen. Ich bin froh um meine beiden Buffs und packe meinen Kopf warm ein. Die Gegend ist weitläufig und wunderschön, und ich fühle mich auf einmal so, als würde ich nach Hause kommen: Struppige, moorige und karge Landschaften, Steine mit farbigen Flechten, unzählige Seen, Flüsse und Wildbäche mit kristallklarem Wasser, teilweise etwas Altschnee, und immer wieder eine unglaubliche Fernsicht. Dies ist Skandinavien, wie ich es mir vorstelle.

Rückblick auf das Tal, in welchem die Björnholmstugan liegt. Im Hintergrund das Näsfjället, von wo ich vor zwei Tagen zur Björnholmstugan abgestiegen bin

Gegen Mittag mache ich bei der Tangådalsstugan kurz Pause. Ein Blick ins Hüttenbuch verrät mir, dass sich die letzte Person vor zwei Tagen hier eingetragen hat. Nach der Rast folge ich für ungefähr 10km einem rauschenden Fluss entgegen der Fliessrichtung, welcher sich teilweise in mehrere Läufe teilt oder zu kleinen Seen aufstaut. Hier muss ich zum ersten Mal auf meiner Wanderung furten, und ich suche mir eine geeignete Wat-Stelle, welche mir nicht zu tief erscheint. Das Wasser reicht mir aber doch plötzlich bis über die Knie, dann komme ich jedoch schon am anderen Ufer an.

Hinter einem Hügelzug taucht die Tangjöstugan auf

Am späteren Nachmittag schlage ich in der Nähe der unbewarteten Tangjöstugan, welche am Ufer eines Bergsees liegt, mein Zelt auf. Den ganzen Tag habe ich keine Menschenseele angetroffen, nur hier oben hat sich eine Familie in einer kleinen, neben der Tangjöstugan gelegenen Berghütte eingemietet. In der Nacht fängt es in Strömen an zu regnen und hört bis am späten Morgen nicht mehr auf. Das Prasseln auf das Zeltdach und der Wind, welcher an den Zeltstangen rüttelt, lassen mich nicht besonders tief schlafen. Die Temperatur ist nicht mehr weit entfernt vom Nullpunkt, das Wasser in meiner Flasche ist beinahe gefroren und schmerzt an den Zähnen beim Trinken. Ich muss mich richtig überwinden, mich aus dem warmen Schlafsack zu schälen. Mir war zwar nicht kalt in der Nacht, jedoch musste ich bereits fast alle Kleider anziehen zum Schlafen inklusive Daunensocken, Daunenjacke und die beiden Buffs am Kopf. Kaum zu glauben, dass noch vor fünf Tagen mit einer Decke zugedeckt wegen der Hitze nicht an Schlaf zu denken war…

Mit klammen Fingern breche ich das klitschnasse Zelt ab und nehme mir vor, heute nicht allzu weit zu laufen. Da beim Zeltabbau im Regen nun auch das Innenzelt nass geworden ist, muss ich es unbedingt trocknen können, bevor ich es wieder aufstelle. Immerhin nimmt der Regen, als ich aufbreche, ein wenig ab. Über dem Fjäll hängt jedoch ein dichter, feuchter Nebel, welcher Jacke, Hose und Rucksack innert Kürze mit einem nassen Film überzieht. Zudem pfeift ein eisiger Wind. Mist, meine Handschuhe befinden sich immer noch zuunterst im Rucksack, dabei hätte ich sie jetzt gut gebrauchen können. Also ziehe ich meine Finger so gut wies geht in meine Jackenärmel zurück.

Eisige Morgenstimmung und dichter Nebel im Fjäll

Die Familie, welche ich gestern Abend angetroffen habe, ist kurz vor mir in dieselbe Richtung aufgebrochen. Immer wieder erkenne ich ihre schemenhaften Gestalten vor mir im Nebel, und dies gibt mir irgendwie ein tröstliches Gefühl. Bei einer Wetterschutzhütte wechseln wir kurz ein paar Worte, dann nehme ich die letzten paar Kilometer unter die Füsse bis zur Rörsjöstugorna, wo ich kurz nach Mittag ankomme. Hier gibt es mehrere Gasthütten, einen Hüttenwart und einen winzigen Kiosk. Ich miete ein Zimmer und ziehe trockene und saubere Kleider an.

Seit über zwei Wochen fühle ich mich zum ersten Mal richtig hungrig. Bis heute ist mir seit meiner Abreise aus der Schweiz aus irgendeinem Grund der Appetit abhandengekommen, was ich von mir sonst überhaupt nicht kenne. Oft musste ich mich überwinden, überhaupt etwas zu essen, und meine Mahlzeiten haben überwiegend aus einer Handvoll Nüsse, Dörrfrüchten oder einem Riegel bestanden. Das Abendessen habe ich sogar häufig einfach ausgelassen. Nun aber kaufe ich beim Hüttenwart eine riesige Büchse Ravioli und lasse sie mir schmecken. Den Nachmittag verbringe ich mit Feuermachen, dem Trocknen meiner nassen Sachen und mit Essen. Zudem plane ich meinen weiteren Weg – wenn alles gut läuft und das Wetter einigermassen mitspielt, werde ich in drei Tagen in Grövelsjön ankommen, wo es eine grosse Fjällstation, also ein Berghotel mit allen möglichen Annehmlichkeiten, gibt. Dort möchte ich einen Pausentag einlegen, meine Kleider waschen, Einkaufen und einige anderen Dinge erledigen.

Die bewartete Rörsjöstugorna im nördlichen Teil des Fulufjällets-Nationalparks

Der Fulufjällets-Nationalpark ist wirklich einen Besuch wert. Einerseits beinhaltet dieses Gebiet aussergewöhnlich schöne Landschaften wie die weiten Fjäll-Ebenen, urwaldähnliche Wälder oder das Hochtal, welchem ich gestern noch für 10km gefolgt bin. Weiter ist hier der höchste Wasserfalls Schwedens (für uns Schweizer mit 93m Höhe zwar nicht wirklich aussergewöhnlich, jedoch bestimmt schön zum Anschauen) sowie der älteste Baum der Welt, welcher 9500 Jahre alt sein soll, zuhause. Andererseits gibt es hier nebst Säugetieren wie Braunbär, Fischotter, Luchs oder Biber auch zahlreiche Vögel zu beobachten.

Letzteres erlebe ich am nächsten Morgen kurz nach meinem Aufbruch selbst, als ich gerade eine Tageswandererin überholen möchte, welche im Fjäll Vögel fotografiert. Direkt vor uns springt ein Moorschneehuhn-Weibchen mit einer Schar Küken auf, wobei die kleinen gelb-schwarz gestreiften Wollknäuel laut piepsend in alle Richtungen auseinanderstieben. Völlig perplex holen wir beide unserer Kameras hervor und freuen uns ab dieser Begegnung. Während Mutter und Jungtiere sich sofort aus dem Staub gemacht hatten, sitzt der Familienvater, ein farbenprächtiger Moorschneehahn, noch seelenruhig an derselben Stelle und lässt sich fotografieren. Wenige Kilometer weiter schrecke ich gleich nochmals ein Moorschneehuhn mit ihren Küken auf, und die Mutter umkreist mich aufgeregt gackernd, offenbar bereit, ihre Schützlinge zu verteidigen.

Während dem Abstieg nach Gördalen, wo ich den Fulufjällets-Nationalpark verlassen werde, habe ich Handyempfang, und erhalte die unerfreuliche Nachricht, dass etwas mit dem Wechsel zu einem Handyanbieter mit besseren Ausland-Optionen nicht geklappt hat. Ich hatte mich um diese Angelenheit ehrlich gesagt einfach zu spät gekümmert – da hat man monatelang Zeit und kriegt trotzdem nicht alles rechtzeitig auf die Reihe. Weil mein bestehendes Abonnement in wenigen Tagen auslaufen würde, muss ich mich also dringend darum kümmern, dass ich weiterhin meine Telefonnummer behalten kann und nicht plötzlich ohne funktionierendes Telefon dastehe. Ein wenig ärgere ich mich noch über mich selbst, und laufe dann anstatt wie geplant auf der anderen Talseite hinauf ins Fjäll wenige hundert Meter in Richtung der wenigen auf der Karte eingezeichneten Häuser, wo ich ein kleines sauberes BedandBreakfast finde. Nach einigen Telefonaten und mithilfe des hier vorhandenen Internetempfangs kann ich glücklicherweise meine Angelegenheiten innert wenigen Stunden regeln. Auf diesen Ärger hin gönne ich mir im in solchen «Dörfern» sehr seltenen, aber hier überraschend vorhandenen Restaurant eine hervorragende Pizza und ein Bier.

Abstieg vom Fulufjället nach Gördalen
Im roten Haus finde ich ein nettes BedandBreakfast. Rechts davon liegt ein (ziemlich verlassener) Campingplatz

Beim reichhaltigen Frühstück am nächsten Morgen erzähle ich meiner Gastgeberin, dass ich auf dem Weg nach Storlien, dem nördlichen Endpunkt des südlichen Kungsleden, sei. Die Frau wirft bestürzt die Hände in die Luft und erzählt dies aufgeregt ihrem Mann, welcher offenbar kein Wort Englisch spricht. Ich verkneife mir ein Grinsen und vermeide tunlichst, hinzuzufügen, dass ich vorhabe, nach Storlien nochmals gegen 2000km zu Fuss unterwegs zu sein.

Gestärkt nehme ich nach dem Essen den Aufstieg ins nächste Fjäll, das Drevfjället, auf mich. Ich geniesse das schöne, aber kühle Wetter und komme sehr gut voran. Der Weg führt durch abwechslungsreiche Landschaften und an wunderschönen Seen vorbei. Auf diesem Abschnitt teilt sich der Kungsleden, und gemäss einer schwedischen Verwaltungs-Internetseite gibt es zwei verschiedene Wanderwege nach Flötningen, meinem Etappenziel für morgen. Ich entscheide mich nach der Hälfte der für heute geplanten 30km, den östlichen Weg über Drevdalen, einen kleinen Ort, wo es eine Übernachtungsmöglichkeit gibt, zu nehmen – ein grosser Fehler, wie sich später herausstellen wird.

Der letzte Abschnitt nach Drevdalen ist angesichts des nun abgeflauten Winds und des Abstiegs in tiefere Höhenlagen ohne Mückenspray nicht zu bewältigen; dieser aber wirkt sehr gut und verschafft mir ein wenig Ruhe. In der privaten Hütte, wo ich übernachte, muss ich mich erst erholen, ich bin ziemlich geschafft und spüre die heute zurückgelegte Strecke in den Beinen. Da es gemäss Wetterbericht morgen Mittag stark anfangen soll zu regnen, möchte ich früh aufbrechen, um die nur 22km nach Flötningen möglichst schnell und noch im Trockenen hinter mich zu bringen.

So starte ich am nächsten Tag um 7 Uhr und mache mich auf, ein grosses Wald- und Sumpfgebiet zu durchqueren, das Drevfjällens-Naturreservat. Nachdem ich anfänglich noch auf einem schmalen Pfad voranschreite, verliert sich dieser zunehmend und ist bald gar nicht mehr erkennbar. Zudem wird die Vegetation dichter und wilder. Ständig muss ich über umgestürzte Bäume, Äste oder Büsche steigen, was das Vorankommen ungemein erschwert. Zudem verschwinden die zunächst noch ziemlich gut erkennbaren orangen Wegmarkierungen an den Bäumen immer mehr, sind verblasst oder der gekennzeichnete Baum ist einfach umgestürzt und liegt unter dem Dickicht begraben. Nach praktisch jedem dritten Baum muss ich stehenbleiben, teilweise ein paar Meter in alle Richtungen gehen und Ausschau nach der nächsten Markierung halten. Mehr als einmal stehe ich völlig ratlos da und weiss nicht mehr weiter. Dieser Teil Schwedens wurde wahrlich der Natur überlassen!

Noch sind die Baum-Markierungen gut zu sehen. Dies ändert sich in Kürze

Nach einiger Zeit bin ich völlig erschöpft – einerseits von der Wegsuche, welche meine ganze mentale Stärke fordert, und andererseits vom ständigen Ausweichen und Kraxeln sowie vom Einsinken in teilweise über kniehohe Sumpfstellen. Einmal rutsche ich soweit ab, dass ich befürchte, nicht mehr aus dem Morast hinauszukommen, oder wenn doch, dass der Schuh im Sumpf steckenbleibt. Glücklicherweise kann ich das Bein mitsamt Fussbekleidung wieder hinaushieven und ich stolpere mit beiden Wanderschuhen an den Füssen weiter.

Schliesslich – ich befinde mich laut Karte nur noch wenige Kilometer entfernt vom nächsten befestigten Waldweg, welcher mich nach Flötningen führt – verliere ich den Weg komplett. Ab einer bestimmten Stelle sind nebst den orangen Kringeln an den Bäumen zusätzlich noch farbige Bänder an den Ästen aufgehängt. Irgendwann achte ich aufgrund deren besseren Erkennbarkeit nur noch auf diese, bis ich bemerke, seit einiger Zeit zwar Bänder, jedoch keine orangen Markierungen mehr gesehen zu haben. Mein Gefühl sagt mir, dass irgendetwas nicht stimmt; ich kann mir nicht vorstellen, dass ein über weite Strecken gleich markierter Wanderweg plötzlich seine Markierungsart ändert. Also laufe ich nach einigem Zögern und Überlegen so weit zurück, bis ich wieder eine orange Markierung finde, und tatsächlich, hier bin ich falsch abgebogen. Auch den restlichen Wegverlauf muss ich sorgfältig suchen, wobei ich manchmal gar nicht auf alles gleichzeitig achten kann – einerseits auf den unebenen und löchrigen Untergrund, um mich vor Stolpern und Umknicken zu bewahren, und andererseits auf die spärlichen Markierungen. Obwohl ich noch keine 20km gelaufen bin, bin ich mittlerweile ähnlich erschöpft wie nach einem 40km-Marsch.

Die wohl einzige Holzplanke auf der heutigen Tagesetappe
Kurz vor Flötningen. Hier ist selbst der Fussballplatz verwildert

Endlich auf der Waldstrasse angekommen, ist es nicht mehr weit bis zu meiner reservierten Hütte in Flötningen. Kurz vor dem Ziel werde ich dann zumindest noch ein wenig aufgeheitert, und zwar durch die Beobachtung dreier Unglückshäher am Wegrand. Ja, die heissen tatsächlich so, und es handelt sich dabei um wunderschön farbige ca. 30cm grosse Waldvögel, welche nur in Skandinavien und Sibirien vorkommen. Ich hatte bis anhin noch nie etwas von der Existenz dieser Tiere gehört…

In Flötningen komme ich am Supermarkt «Gränsbua», einem der einzigen Einkaufsmöglichkeiten auf dem südlichen Kungsleden, vorbei. Hier möchte ich gerne meine Vorräte aufstocken und zudem Verpflegung für den Nachmittag und mein Abendessen besorgen. Ein Schild am Strassenrand bestätigt meine Vermutung, dass dieser Supermarkt jeden Tag geöffnet hat, also auch heute, einem Sonntag. Als ich jedoch vor der Eingangstüre stehe, lese ich zu meinem Ärger auf einem Zettel, dass heute ausnahmsweise geschlossen sei – aufgrund der Grenzschliessungen und der dadurch ausbleibenden Einkaufstouristen aus dem nur zwei Kilometer entfernten Norwegen würde der Umsatz wohl zu gering ausfallen… Unweigerlich wandeln sich die vor meinem inneren Auge schwebenden Bilder von Pizza, knackigem grünem Salat, Bier und anderen Leckereien in trockene Teigwaren und Knäckebrot um….

Das Wetter hat zum Glück bis jetzt gehalten, und ich komme trocken bei meinem Tagesziel an. Der Vermieter, welchem auch die gestern bezogene Hütte in Drevdalen gehört, erwartet mich schon, und fragt mich besorgt, ob ich «durch die Sümpfe» gekommen sei, und teilt mir mit, dass dies der am schlechtesten markierte Abschnitt des Kungsleden sei, und er immer wieder Gäste aus dem Wald herausholen müsse, welche sich auf dem Weg hierhin verlaufen hätten. Na zum Glück habe ich das vorher nicht gewusst, mir wäre wohl ziemlich unwohl gewesen bei der ganzen Sache heute…Er erzählt mir zudem, dass es in diesem Wald viele wilde Tiere und insbesondere Bären gebe – ja, ich hatte heute zweimal Bärenkot und einmal sogar Tatzen-Abdrücke gesehen, jedoch aufgrund der schwierigen Wegbeschaffenheit gar nicht richtig darauf geachtet.

Ich würde auf jeden Fall empfehlen, bei einer Kungsleden-Wanderung nicht den östlichen Weg über Drevdalen und Flötningen zu wählen, ausser natürlich, jemand liebt genau solche Wildnis-Durchquerungen und Herausforderungen hinsichtlich der Navigation. Dieser Weg ist offenbar deshalb so schlecht unterhalten, weil die meisten die andere, westlicher verlaufende Route wählen. Dies wurde denn auch auf den letzten drei Kilometern deutlich, als die beiden Wege kurz vor Flötningen wieder zusammengekommen sind – auf einmal war da wieder ein richtiger Pfad mit ganz neu gestrichenen Markierungen.

Für den nächsten Tag sind über 40km angesagt, zwar sehr viel, aber ich möchte unbedingt nach Grövelsjön gelangen und mir dort einen freien Tag und eine Erholungspause gönnen. Was gibt es von diesem Tagesabschnitt zu berichten? Obwohl auch für heute Dauerregen angesagt ist, herrscht optimales Wanderwetter, kühl, windig, nur manchmal etwas Nieselregen, aber immer so, dass ich nicht richtig nass werde. Das Laufen macht Spass, ich komme gut voran, und treffe, wie praktisch immer in den letzten Tagen, keine Menschen an bis kurz vor Grövelsjön. Nur Wildnis, abgschiedene, ruhige, verlassene Wildnis. Immerhin ist der Weg heute, abgesehen von einigen Sumpf-Passagen, meist einfach zu gehen und führt über viele Kilometer auf Wirtschaftswegen oder anderen gut erkennbaren Pfaden durch den Wald, wofür ich nach den gestrigen Strapazen echt dankbar bin.

Heute bin ich froh um die Windshelter, von welchen auf diesem Abschnitt einige zu finden sind

Bereits gestern Abend hatte ich eine Anfrage für zwei Übernachtungen an den Campingplatz «Sjöstugan» gesendet. Ursprünglich hätte ich ja in der STF Fjällstation, einem Berghotel des schwedischen Wanderverbandes, nächtigen wollen, dies ist aber erstens ein riesiger, ziemlich überlaufener Hotelbetrieb und kostet zweitens über 100.-/Nacht, weshalb dies eigentlich nur meine Notlösung wäre. Jedenfalls hat mich der Betreiber des Campings noch gestern abend angerufen und mir bedauernd mitgeteilt, dass für die nächsten Tage alles ausgebucht sei. Doch – er habe noch «a really small room» in einer kleinen Hütte, müsse diese aber erst noch ausräumen und vorbereiten. Wenn nichts dazwischen komme, wäre dies eventuell machbar; er werde mir im Laufe des morgigen Tages eine SMS senden. Heute pünktlich um 15 Uhr ruft er mich an und erklärt, die Hütte sei vorbereitet und er werde den Schlüssel in einem Umschlag bei der Rezeption deponieren, da ich ausserhalb der Öffnungszeiten ankommen werde. Wieder darf ich mich über so viel Hilfsbereitschaft und auch Zuverlässigkeit freuen, und dies gibt mir gleich noch etwas Antrieb, um die letzten Kilometer nach Grövelsjön unter die Füsse zu nehmen.

Es sind dann insgesamt 43 Kilometer, welche ich heute bewältigt habe, und da ich die ganze Strecke über nasse Füsse hatte, ist die Haut an den Achillesehnen an beiden Beinen ziemlich entzündet und teilweise offen. Abgesehen davon bin ich aber noch relativ fit! Bei der Sjöstugan angekommen, finde ich eine winzige, aber wirklich nette, saubere und bereits vorgeheizte Einzimmer-Hütte vor, mit frischen Bettlaken, einem Sessel und einem kleinen Regal. Ich bin glücklich, ein Bett bekommen zu haben, gönne mir eine heisse Dusche auf dem Camping und esse meine letzte Verpflegung – Knäckebrot, Schokolade und zum Warmwerden und gegen die Schmerzen in den Füssen ein kleines Schnäpschen, welches mir eine Freundin zum Abschied auf den Weg gegeben hat und welches ich bis hierher getragen habe. Merci Chrige, das het mega guet ta nach däm stränge Tag =)

Mein Zuhause für zwei Tage

Meinen Ruhetag beginne ich mit einem reichhaltigen Frühstück mit Sandwich, Kuchen, Chips, Riegel und Kaffee – der reinste Luxus. Ich wasche alle meine Kleider und fahre mit dem Bus ins nächste Dorf einkaufen. Beim nächsten Supermarkt werde ich erst nach weiteren 180km vorbeikommen. Der Ort hier ist ziemlich voll und viele schwedische Familien machen hier in den Bergen Wanderurlaub. Später gehe ich noch die Übernachtungen bezahlen und kann es kaum glauben – der Campinginhaber verlangt dafür unglaublich günstige 15.-/Nacht.

Lebensmittel für eine Woche

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